Kulturverein Träff Schötz

«StahlbergerHeuss» spielte im ausverkauften Ronmühle-Keller

Ironische Texte und irre Tüfteleien
Am Samstag, 5. Mai, gastierten «StahlbergerHeuss» beim Träff Schötz. Mit feinem Humor und aberkomischen Maschinen strapazierte das Duo die Lachmuskeln.

von David Koller, Willisauer Bote

stahlbergerheuss1_2.JPGIm allerdümmsten Moment schaltet sich der  Kompressor ein und erzeugt  knatternd Druckluft.  Der Beginn des Kabaretts verzögert sich. Panne oder Masche? Die zwei Protagnonisten Manuel Stahlberger und Stefan Heuss stehen unbeholfen vor dem Publikum und warten darauf, dass sich die Maschine beruhigt, ihnen die Bühne frei gibt. Das ist symptomatisch. Der St. Galler Stahlberger und der Zürcher Heuss sind zwar die Hauptdarsteller des Programms «Im Schilf», ihren irren Maschinen kommt dennoch mehr als nur eine Statistenrolle zu. Die Bühne ist übervoll mit umgebauten  Gerätschaften, die für Rhythmen und allerhand schräge, nicht aber falsche, Töne sorgen. Da ist etwa die Geigen spielende Dekupiermaschine. Oder jene Erfindung, die Pingpongbälle über die halbe Bühne auf eine Trommel schiesst. Schön im Takt.
Zwei Kabarettisten und ihre Maschinen. Manuel Stahlberger und Stefan Heuss scheuen für ihre Show keinen Aufwand. Um 12.30 Uhr begannen sie am Samstag, die knapp drei mal vier Meter kleine Bühne in der Ronmühle einzurichten. Um 19.30 Uhr waren sie fertig und die Bühne voll, übervoll von Maschinen und Erfindungen.

Ehefrau im Rehkostüm
Ein Aufwand, der sich lohnt – und in der Kleinkunstszene für ein immer grösseres Echo sorgt. Gestern Montag traten «StahlbergerHeuss» am 5-Jahr-Jubiläum des Casino Theaters Winterthur zusammen mit Grössen wie Ursus & Nadeschkin, dem Duo Fischbach und Viktor Giacobbo auf. Zurecht. Das Duo begeistert mit seiner Mischung aus technischen Tüfteleien und trocken vorgetragenen, aber vor Ironie triefenden Liedern. «StahlbergerHeuss» singen von einer Ehefrau, die sich in der Hoffnung um mehr Aufmerksamkeit ihres Gemahls – einem Weidmann – als Reh verkleidet. Sie erzählen in ihren Liedern vom hyperaktiven Veranstalter eines Spaghettiplausches oder vom Hauswart, der Kompost-Frevlern auf die Schliche kommt und vom unglücklichen Mister Schweiz, der doch nur in der Quartierbeiz ein Bierchen trinken möchte.

Satisfaction
Das allein wäre schon witzig. Wenn dann aber der singende Stahlberger noch auf einem von Heuss mit fachmännischem Blick aufgeblasenem Luftkissen thront, dann grinst selbst der übelste Griesgram im Publikum. Oder wenn Heuss reichlich unbeholfen auf einem elektrisch betriebenen Laufband Tanzschritte aneinander reiht und bei der Zugabe im mit 90 Personen abermals ausverkauften Ronmühle-Keller auf einem «Presskanister» spielt – einer per Schlauch mit einem Kanister verbundenen Flöte.
Mit Presskanister und Ukulele geben die beiden grossen Kleinkünstler schliesslich «Satisfaction» von den Rolling Stones zum Besten. Sehr zur Befriedigung des Publikums, das gerne noch mehr davon gehabt hätte.

Weitere Infos
www.stahlbergerheuss.ch