Kulturverein Träff Schötz

Werkbeitrag von Kanton und Stadt Luzern

Träff landet einen weiteren Treffer

Schötz | Stadt und Kanton Luzern zeichnen Kulturverein mit Werkbeitrag aus

30.09.2011 Ein ausgezeichneter Kulturveranstalter: Träff Schötz bemühte sich erfolgreich um einen Werkbeitrag von Stadt und Kanton Luzern. Das 25-köpfige Team gewinnt mit seinem Projekt «Nordpol» 15 000 Franken. Der Erfolg der ehrenamtlichen Kulturtäter ist umso höher einzustufen, zumal der Jury 21 Eingaben im Wettbewerb «Kulturveranstalter» vorlagen – mit dabei Dossiers von professionellen Kulturschaffenden und etablierten Institutionen.
Nebst Träff Schötz wurden die Konzertreihe Joyful Noise (Luzern), die Künstlerinitiative Mullbau (Luzern) und das Kleintheater Luzern preisgekrönt. «Die vier Werkbeiträge sollen mithelfen, innovative Programme weiterzuführen und spezielle Programmteile zu realisieren», hält Daniel Huber, Leiter der Kantonalen Kulturförderung, fest.
Aus dem Schlachthaus
wird ein Kulturzentrum
«Nordpol» nennt sich das ehrgeizige Träff-Projekt, das Stadt und Kanton explizit unterstützen. «Der Werkbeitrag ist für uns eine wichtige Starthilfe» sagt Philipp Bammert. Der 32jährige Bautechniker ist Mitglied des Kernteams, das die Grundidee ausgeheckt hat. Ehrenamtliche Arbeit und Ideenreichtum alleine genügen nicht. «Ohne finanzielle Unterstützung können wir unser Vorhaben nicht im geplanten Rahmen durchführen.» Das wäre? «Wir wollen morbiden Schlachträumen für ein paar Tage neues Leben einhauchen».
Die einstige Schötzer Metzg soll im Frühling 2012 zum Asyl für Kultur werden. Der Projektname «Nordpol» sei frei interpretierbar. «Alle Ähnlichkeiten oder Assoziationen mit dem Luzerner Kulturhaus ‹Südpol› sind rein zufällig», sagt Philipp Bammert und schmunzelt. Sicher ist: Auch im Luzerner «Südpol» wurde einst geschlachtet.
Auf Literat(o)ur Blut geleckt
Mitten im Herzen des Dorfes liegt er: der Schlachthof von Familie Furrer. 46 Jahre lang herrschte in diesem Gebäude emsiges Treiben. 2001 schloss der Betrieb seine Türen. Neue Hygienevorschriften liessen den letzten Metzger die Schlachtbank räumen. Zu hoch wären die Investitionen gewesen. Und: Was früher ein Vorteil war, entwickelte sich zum Nachteil: Geruch und Lärm waren im Zentrum nicht erwünscht. Wie die Bauern mit ihrem Vieh, sollte auch die Metzg hinaus in die Peripherie des Dorfes ziehen.
Anlässlich des letztjährigen Projekts Literat(o)ur im Schötzer Dorfkern stellte Familie Furrer dem Kulturverein erstmals die Metzg zur Verfügung. Der zweifache Egon-Kisch-Preisträger Erwin Koch machte den Schlachthof zum Leseort. Seine bitterböse Geschichte handelte von Franz Zemp, dem Präsidenten des Arbeitskreises alemannischer Wurstfreund. In voller Körpergrösse gesehen wurde er zuletzt neben einer Cervelat-Maschine. Seither fehlt von ihm jede Spur. «Zurück blieb nach Kochs Geschichte die Idee für ein neues Träff-Projekt: den Nordpol», sagt Philipp Bammert. «Wir haben auf der Literat(o)ur Blut geleckt.»
Die Schlachtplatte
Erneut darf der Kulturverein auf die Gastfreundschaft von Familie Furrer zählen und kann einen Teil der Schlachthausräumlichkeiten nutzen. Träff hat erste Ideen gesponnen und Künstler kontaktiert. Konkrete Ziele sind formuliert. So sollen Kunstschaffende die weis¬sen Plättliwände als Projektionsfläche nutzen und die leeren Räume ab Neujahr 2012 umgestalten. Hier will Träff Schötz voraussichtlich vom 26. April bis 29. April 2012 eine Schlachtplatte servieren mit Kunst am Bau, Animationsfilm/Video, Jazz/Electro, Rock und Pop, Theater und Literatur.
«Die Idee ‹Nordpol› ist lanciert», resümiert Philipp Bammert. «Jetzt müssen wir sie nur noch ausschlachten. Dank dem Werkbeitrag geht Träff mit noch mehr Power ans Werk.» ibs